INDIAN CHIEFTAIN LIMITED – Häuptling der Strasse

André (49), fährt sonst Goldwing 1500. Als MotoScout24 Testrider hatte er während einem Wochenende die Gelegenheit, der Indian Chieftain Limited voll auf den Zahn zu fühlen. Was er dabei erlebt hat, lesen Sie hier.

Zahlen zur Indian Chieftain Limited

  • Motortyp: 49° V-Twin

  • Hubraum: 1‘811 cm3

  • Max. Drehmoment: 151 Nm bei 3‘000/min

  • Gewicht vollgetankt: 375 kg

  • Tankfüllmenge: 20.8 Liter

  • Preis Testmotorrad: CHF 31‘990.-

„Was für ein geiles Motorrad!“, MotoScout24 TestRider André ist begeistert, als der die Indian Chieftain Limited zum ersten Mal sieht, „Die sieht ja in echt noch besser aus als auf den Bildern.“ Die Chromteile der Chieftain blitzen in der Sonne. Vor allem in der Ruby Metallic Lackierung zieht das Ami-Dickschiff aus Iowa bereits im Stand alle Blicke auf sich.

Als MotoScout24 TestRider hatte André die Gelegenheit, während einem Wochenende die Indian Chieftain Limited ausgiebig zu testen. In den 1‘200 Kilometern, die er in vier Tagen abgespult hat, wollte er vor allem erfahren, wie komfortabel die Chieftain ist und wie viel Power im Achtzehnhunderter V2-Zylinder steckt.

Power und Drehmoment im Überfluss

Der schlüssellos gestartete 111 cubic inch Motor enttäuscht nicht. „Wenn die Chieftain losstürmt, ziehts einem die Arme lang“ staunt André. Klar, bei 151 Newtonmetern Drehmoment geht auf der Indian die Post ab, egal in welchem Gang man unterwegs ist. Über die drei Fahrmodi lässt sich das Ansprechverhalten in „Tour“, „Standard“ und „Sport“ individuell anpassen. Besonders im Sport-Modus reagiert der Motor extrem schnell, was ihn im Langsamfahrbereich etwas ruckeln lässt. Fürs entspannte Cruisen bietet sich daher der Modus Standard an.

Ganz generell ist unser TestRider von der Leichtfüssigkeit der 375 kg schweren Maschine überrascht: „Die Chieftain lässt sich unglaublich leicht auch langsam bewegen, egal ob im Schritttempo oder beim Schieben.“ Den Rückwärtsgang, den die Chieftain im Vergleich zu Andrés Honda 1500 Goldwing nicht hat, vermisst er keine Sekunde.

Unerwartete Sportlichkeit

Doch die grosse Bagger will vor allem eines: bewegt werden. Das Revier der Chieftain sind breite Land- und überraschenderweise auch engere Passtrassen. „Diese Sportlichkeit hätte ich von Indian nicht erwartet“, sagt André. In den Spitzkehren des Oberalppasses liegen ordentliche Schräglagen drin, ehe die Fussbretter schleifend zur Vorsicht mahnen.

Ganz allgemein überzeugt das Fahrwerk mit toller Strassenlage und viel Komfort, egal ob in der Stadt, über Passstrassen oder auf der Autobahn. Einzig der stufenlos elektrisch einstellbare Windschild könnte für André und seine 1,83 Meter etwas höher sein. Auf der Autobahn entstehen unangenehme Verwirbelungen, die den behelmten Kopf durchschütteln und auf Dauer ermüdend sind. Wer sich jedoch hinter der Scheibe in Deckung bringt, fühlt und hört vom Wind überhaupt nichts. Dafür gibt’s etwas ganz anderes auf die Ohren:

Thunder Stroke 111 - nomen est omen

Der Sound des Thunder Stroke 111 Motors, den die Chieftain über die doppelflutige Auspuffanlage in die Umwelt bollert, überzeugt André vollends: „Mir war der Sound eines Motorrads eigentlich nie wichtig. Aber nach dem Wochenende mit der Chieftain bin ich bekehrt. Der Sound ist einfach unglaublich geil!“ Der 1,8 Liter V2 Motor klingt extrem kernig, ohne aber jemals aufdringlich zu werden. Auch Umstehende scheinen daran ihre Freude zu haben. Der Sound der Indian Chieftain Limited erntet viele Daumen nach oben, nie böse Blicke.

Überall ein Blickfang

Doch auch im Stand überzeugt die grosse Chieftain vollends. Immer wieder ertappt man sich dabei, nach der Fahrt nochmals einen Blick zurück auf die rote Schönheit zu werfen. „Das ganze Design, die Proportionen, alles fügt sich nahtlos zusammen – toll wie Indian hier einen Töff im Retro-Look mit der Moderne kombiniert.“

Komfortelektronik wie im Auto

Tatsächlich wartet die Chieftain mit einer Vielzahl modernster elektronischer Systeme auf. Dank Keyless-Start und Zentralverrieglung bleibt der Zündschlüssel stets in der Tasche. Das „Ride Command System“ mit 7 Zoll Touchscreen, der sich natürlich auch mit Handschuhen bedienen lässt, bietet eine Unmenge an Einstellmöglichkeiten und Fahrdaten. Die Navigation funktioniert wie bei einem Auto und dank der 100 Watt Soundanlage ist auch auf langer Tour für musikalische Unterhaltung gesorgt. Standardmässig ist leider kein DAB-Radio enthalten, was sich in gelegentlichem Rauschen bemerkbar macht. Doch via Bluetooth lässt sich auch ein Smartphone innerhalb von wenigen Sekunden koppeln und die Musik direkt vom Gerät oder Spotify abspielen.

Nur kleine Schwachpunkte

Gibt es etwas was, unserem TestRider an der Chieftain nicht gefällt? „Die Verarbeitung des ganzen Töffs ist extrem hochwertig. Da fallen aber die etwas fummeligen Bedienelemente fürs Infotainment-System und die Blinker leider etwas ab. Und die Start-Animation, die zwar zu Beginn schön anzuschauen ist, nervt nach einer Weile. Der Sicherheitshinweis, sich auf die Fahrt zu konzentrieren, muss bei jedem Start weggedrückt werden – das ist doch total kontraproduktiv,“ meint André. Zudem ärgert die Restreichweiten-Anzeige des Tanks mit der Unsitte, bei ¼ verbleibendem Tankvolumen, plötzlich wie ein Stein auf 0 km angezeigter Restreichweite zu fallen und verzweifelt nach Treibstoff zu rufen. Sobald der gestresste Fahrer die nächste Tankstelle erreicht hat, offenbar  die Spritrechnung: nur 15 Liter getankt. Und das bei 20,8 Liter Tankvolumen.

Nichts davon ist für ihn aber gravierend genug, um vom insgesamt tollen Gesamteindruck der Chieftain Limited abzulenken. Ihm persönlich würde das Motorrad mit einer Rückenlehne für Fahrer und Sozius noch besser gefallen. Hier hält das Zubehörprogramm zum Glück passende Abhilfe bereit.

Andrés Fazit

Und für wen eignet sich die Indian Chieftain Limited nach Andrés Ansicht? „Jeder der morgens in den Spiegel schaut und denkt – ich bin ein geiler Typ – ich fahre Indian, nicht Harley!“ lacht André. Die Chieftain ist ein extrovertiertes Lifestyle-Motorrad für Leute, die sich nicht scheuen ein Motorrad zu fahren, das im Stand und in Fahrt die Blicke von allen auf sich zieht. Und natürlich auch die knapp 32‘000 Franken Kaufpreis aufbringen können. Aber die zahlen Chopper- und Bagger-Fans gerne für das Lebensgefühl, das die grosse Indian vermittelt.