Testbericht - Kawasaki Z1000SX - Langstreckenjäger

Kawasakis böses Naked-Bike mutiert zum tourentauglichen Strassenkämpfer.

Ihr ursprünglicher Einsatzzweck ist die schnelle Pässerunde nach Feierabend. Die Rede ist von der überaus populären Kawasaki Z1000. Um Ausdauer geht’s bei Nakeds vom Schlage der Z1000 nie, Fahrspass pur steht im Vordergrund.

Wie viele andere Naked-Bikes, nervt die Z deshalb vor allem im Langstreckeneinsatz mit schlecht ablesbarem Drehzahlmesser, vorgebeugter Sitzposition, kurzer Reichweite, minimalistischem Stauraum unter der Sitzbank und unbequemem Soziussitz.

XXL?

Irgendjemand bei Kawasaki hat sich offenbar diese Kritikpunkte zu Herzen genommen. Vorhang auf also für die Z1000SX, einen von der Z1000 abgeleiteten „Langstreckenjäger“. Töff hat das Bike auf einer Tour in Andalusien getestet.

Schon wenige Minuten nach dem Start bei Marbella reift die Erkenntnis, dass die SX alle Komfortschwächen abgelegt hat: In der Z1000SX wurde nicht nur ein besser ablesbarer analoger Tourenzähler verbaut, das Stauvolumen unter der Sitzbank wurde dazu verdoppelt und der Tank um vier Liter auf 19 Liter vergrössert.

Weiter ist die Gabel eindeutig weicher abgestimmt, und die Fussrasten wurden dank Gummieinlagen und schwingungsdämpfender Gewichte an der Rückseite der Fersenschützer nahezu gänzlich von lästigen Vibrationen befreit. Man hat also an alles gedacht – nur eine Ganganzeige sucht man leider vergeblich.

Marathonläufer oder Sprinter?

Das modifizierte Fahrwerkssetup begeistert in den schnellen Radien rund um Ronda auf Anhieb. Selbst deftige Schlaglöcher und Bodenwellen bringen die Z1000SX nie von der angepeilten Linie ab, waghalsige und hektische Schräglagenwechsel quittiert die SX höchstens mit funkenden Rasten auf dem Asphalt.

Für eine Tausender wedelt die SX wieselflink selbst durch den haarigsten Kurvenslalom. Auch die aufrechte Ergonomie und der gemässigte Kniewinkel sorgen beim Piloten jederzeit für ein souveränes Gefühl von Sicherheit und Kontrolle.

Und der Antrieb? Sensationell! Im Direktvergleich mag die Streetfighter-Variante zwar noch ein Quäntchen brachialer anschieben, die Abstimmung der Z1000SX kann jedoch im Alltag und auf Tour mehr überzeugen. Die SX zieht mit einer begeisternden Geschmeidigkeit durch das gesamte Drehzahlband und gibt sich selbst auf nasser, rutschiger spanischer Fahrbahn immer gutmütig und berechenbar.

Schutzschild

Neben dem Turbinen-Feeling, der vorbildlichen Reise-Ergonomie und der hervorragend dosierbaren, brachial zuschnappenden Bremsanlage (die ABS-Version konnten wir leider noch nicht testen) schätzt der Langstreckenpilot natürlich auch das verstellbare Windschild.

Das Design der Z1000SX gibt sich harmonisch und funktionell, denn die SX-Frontverkleidung wirkt nicht wie bei manchem Konkurrenten einfach nur drangeschraubt. Und Kawasaki hatte mit den aerodynamischen Eigenschaften des Schutzschildes ein gutes Händchen.

Der Oberkörper wird gut vom Winddruck entlastet, geräuschvolle Verwirbelungen am Helm sind in keiner der drei Windschildpositionen festzustellen. Aber der Kopf bleibt immer dem Fahrtwind ausgesetzt – die SX empfiehlt sich daher nicht für Komfort-Fetischisten.

Das Töffpendant zum Mitsubishi Evo

Damit offenbart sich neben dem Preis von 17 990 Franken die zweite Schwäche der Z1000SX, die eigentlich eine Stärke ist: Zwar will Kawasaki den halb verkleideten Langstreckenjäger als waschechtes Tourenmotorrad positionieren, in Wahrheit aber besetzt die SX jedoch eine bislang unentdeckte Nische im Segment.

In Sachen Komfort kann sie nicht jedem Kontrahenten das Wasser reichen, dafür scheint die potente Japanerin nach den ersten Solo-Testfahrten der Konkurrenz in Sachen Sportlichkeit, Fahrspass und aggressivem Auftritt eine Nasenlänge voraus.

In der Automobilwelt fände die Kawasaki Z1000SX ihre Pendants am ehesten beim Mitsubishi Lancer Evo: Gut für die tägliche Fahrt ins Büro, aber jederzeit bereit für eine Kurvenhatz. Ob man die Z1000SX mit den montierten 35-Liter-Koffern also nun als «Langstrecken-Fighter» oder als «scharfen Tourer» versteht, bleibt Ansichtssache.

Kawasaki Z1000 auf MotoScout24

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