Test - Moto Guzzi Bellagio - Black Pearl

Die Moto Guzzi Bellagio gehört zu den meistunterschätzten Bikes im Markt und ist preislich inzwischen ein echtes Schnäppchen.

Sie sieht aus wie ein Cruiser, fährt sich aber wie ein Naked-Bike, die Moto Guzzi Bellagio, die schon seit 2007 auf dem Markt ist und da ein Mauerblümchendasein fristet. Gründe für den schleppenden Verkauf gibt es viele: Zunächst einmal ist die Bellagio kein Bike, ohne das die Motorradwelt nicht leben könnte.

Moto Guzzi Bellagi

Dann gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was man sieht bzw. fahrdynamisch erwartet, und dem, was man in der Praxis, im Sattel dieser Guzzi, tatsächlich erfährt. Denn die Bellagio wirkt äusserlich wie ein Custom-Bike mit reichlich Italo-Chic, fährt sich aber wie ein recht sportliches Naked-Bike.

Zu guter Letzt stand der Bellagio, die neu in der schlichten, mattschwarz lackierten «Aquila Nera»-Version anrollt, auch immer der Verkaufspreis im Weg: Stolze 18‘650 Franken musste man bei der Markteinführung vor fünf Jahren hinblättern. Heute kriegt man das genau gleiche Bike fast 5000 Franken günstiger, nämlich für gerade einmal 13‘890 Franken.

Schatten…

Das genau gleiche Bike? Korrekt! Denn bis auf die Lackierung und das nun dezentere Guzzi-Logo am tropfenförmigen Tank wurde an der Bellagio - übrigens benannt nach dem Touristenort am Comersee-Ufer, das dem Werk in Mandello del Lario gegenüberliegt - erstaunlicherweise nichts verändert.

Moto Guzzi Bellagi

Und es ist nicht so, dass kein Handlungsbedarf bestünde. So brutzelt der sich direkt hinter der linken Fussraste nach oben schwingende Krümmer auch heute noch den Stiefel des Bellagio-Treibers. Eine kleine Auspuffblende, und das Problem wäre beseitigt gewesen. Dass man eine so triviale Modellpflege-Massnahme innerhalb von fünf Jahren nicht hinbekommt, ist für uns absolut unverständlich.

Auch die Doppelkolben-Schwimmsättel der Bremsanlage vorne, für die es nach wie vor kein ABS gibt, sind noch da und langweilen mit ihrem schwammigen Druckpunkt und der mäs-sigen Verzögerung.

…und Licht

Dabei wäre die Bellagio ein in mancher Hinsicht geniales Bike. Zum einen ist sie in puncto Konzept einzigartig und verspricht dadurch Individualität. Zum anderen besitzt sie einen ausgesprochen kultivierten 940er-90-V2 mit bärigen 78 NM Drehmoment und stets kontrollierbaren, sich leicht progressiv manifestierenden 76 PS Spitzenleistung.

Der Sound, dieses mächtige «Proooh!», passt perfekt zur Bud-Spencer-mässig kräftigen, aber doch gediegenen Linienführung, und das Ensemble aus Geometrie und Fahrwerks-komponenten weiss zu beflügeln. Die Bellagio ist trotz cruisertypischer 1570 mm Radstand und wuchtiger 224 kg Trockengewicht aus--gesprochen flink und damit auch bei motivierten Pässefahrten ein sicherer Wert.

Sie kanns also auch flott, und genau darum wünscht man sich eine etwas sportlichere Bremsanlage. Wer sich jedoch mit Show-Fahrten und -leichtem Cruisen zufrieden gibt, wird an den Bellagio-Stoppern, abgesehen vom fehlenden ABS, nichts auszusetzen haben.

Und was ist uns sonst noch aufgefallen? Das nostalgische Schleifgeräusch der Trockenkupplung - bei Ducati inzwischen ja fast durchs Band abgeschafft - sorgt für Hühnerhaut pur. Dasselbe gilt für die gelungene Optik, die nicht dick aufzutragen braucht, sich stattdessen in Understatement übt.

Fazit: Für alles zu haben

Die Bellagi: Sexy, aber mit Makeln.
Guzzi hat die Bellagio klar vernachlässigt. Dennoch ist und bleibt sie ein in ihren Grundzügen gelungenes und emotionales Bike, das sich für keine Disziplin zu schade ist. Bummeln? Passt. In die City? Der Auftritt gelingt garantiert. Die Bellagio in wenigen Worten beschrieben? Eine charakterstarke Italo-Fahrmaschine im sexy Cruiser-Gewand.

Moto Guzzi Occasionen

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