Occasionen-Check - Keine Katz im Sack

Occasionenkäufe bergen immer ein gewisses Risiko. Da man kein Kuckucksei erwischen will, empfiehlt sich der gründliche und unabhängige TCS-Test.

Die Winterzeit ist ein guter Moment, um sich einen neuen oder einen gebrauchten Töff zu beschaffen. Besonders jetzt, da der Euro auf die Preise drückt. Allerdings besteht bei Occasionen natürlich immer das Risiko, ein Kuckucksei zu erwischen. Dieses Risiko lässt sich bei einem relativ neuen Modell mit laufender Werksgarantie noch etwas eingrenzen. Doch besonders bei älteren Töff, die privat „ab Platz“ oder „ab MFK“ verkauft werden, ist der Käufer gut beraten, wenn er etwas von der Materie versteht oder einen Sachverständigen beizieht.

Da nicht jeder einen Töffmechaniker zum Freund hat, empfiehlt sich der TCS als offiziell anerkannte und neutrale Fachstelle. Und diese bietet in manchen technischen Zentren den sogenannten «Occasionstest» auch für Motorräder an. Er kostet für TCS-Mitglieder 95 und für Nichtmitglieder 158 Franken. Der Termin ist sinnigerweise vorgängig telefonisch mit dem nächstgelegenen Center zu vereinbaren, dessen Nummer man auf der TCS-Website in Erfahrung bringt.

Der erste Eindruck verrät vieles

Bevor der Experte die Maschine in Augenschein nimmt, prüft er die Dokumente. Diese sind im Idealfall komplett vorhanden und bestehen aus dem Fahrzeugausweis, den Beiblättern für Modifikationen, der Betriebsanleitung und dem Seviceheft. Letzteres verrät, ob alle Wartungsintervalle eingehalten wurden oder ob Lücken zu finden sind. Denn die Service-Geschichte des Fahrzeugs ist ein Indiz dafür, wie im Allgemeinen mit ihm umgegangen wurde.

„Bei der ersten Augenscheinnahme ist der erste Eindruck vielsagend“, erklärt Daniel Kohler, Motorradexperte bei der TCS-Sektion Aargau. Wirkt die Maschine gepflegt oder heruntergeritten? In der Regel setzt sich dieser Eindruck bis ins Detail fort. In der Folge werden die einzelnen technischen Komponenten geprüft und zum Schluss geht’s noch auf eine Probefahrt.

Detaillierter als die MFK

Im Gegensatz zu den gesetzlich vorgeschriebenen periodischen Fahrzeugprüfungen interessiert sich der Experte nicht nur dafür, ob die gesetzlichen Bestimmungen und Grenzwerte eingehalten werden. Er gibt auch ein Urteil ab, in welchem Zustand sich die Komponenten des Fahrzeugs befinden.

Als Vergleich zieht Kohler das Schulsystem heran: „Die Motorfahrzeugkontrolle (MFK) verlangt für das Bestehen der Prüfung in allen „Fächern“ lediglich die Note 4. Im Rahmen des Occasionentests wird jedoch der allgemeine Zustand beurteilt und auf mögliche Probleme des Fahrzeugs hingewiesen, die die Betriebserlaubnis (noch) nicht betreffen.“ Das relativiert den Wert des Gütesiegels „frisch ab MFK“, das fälschlicherweise häufig mit einer Garantie für eine tadellose Occasion gleichgesetzt wird.

Was passiert nach dem Test?

Hat der TCS die Testprozedur absolviert, erhält der Auftraggeber einen schriftlichen Prüfbericht. Dieser hat keinerlei Einfluss auf die Betriebserlaubnis, auch dann nicht, wenn Mängel oder vom Gesetz abweichende Teile entdeckt wurden. Er dient aber als Bescheinigung für den technischen Zustand der Maschine und damit als Argument bei einer Preisverhandlung.

Sollte der Verkäufer aus irgendwelchen Gründen sein zum Verkauf stehendes Motorrad nicht prüfen lassen wollen, sind Zweifel am Zustand des Bikes und an der Preisgestaltung möglicherweise berechtigt.