Motorräder reinigen und pflegen

Haftet Schmutz längere Zeit an Fahrzeugen, beeinträchtigt das nicht nur die Optik. Je nach Beschaffenheit können Verunreinigungen zum Beispiel auch Schäden am Lack verursachen. Doch nicht nur Schmutz kann dafür verantwortlich sein, dass das Motorrad nicht mehr so aussieht, wie wir es gerne hätten… UV-Strahlen lassen etwa Kunststoffteile ausbleichen, Gummischläuche brüchig werden etc. Darum ist neben dem Reinigen auch das Pflegen enorm wichtig. Erfahren Sie hier die wichtigsten Tipps der Reinigungsprofis.

Die simpelste Antwort auf die Frage „Was ist eigentlich Schmutz?“ lautet: „Materie am falschen Platz“. Kettenfett an der Antriebskette eines Motorrades erfüllt einen bestimmten Zweck und ist somit zwingend erforderlich. Abgeschleudertes Kettenfett an irgendwelchen anderen Motorradteilen wäre jedoch als „Schmutz“ zu bezeichnen.

Kettenfett sowie angetrocknete Insektenreste im Frontbereich eines Bikes gelten gemeinhin als die hartnäckigsten Verunreinigungen an Motorrädern. Bei Insekten ist es das in den Panzern enthaltene Chitin, welches das Putzen so schwierig macht, da es sich nicht mit Wasser, organischen Lösungsmitteln oder Laugen lösen lässt. Bei Chitin handelt es sich übrigens um ein Polysaccharid (Vielfachzucker).

Schnell handeln! 

Ebenso hartnäckig ist der sogenannte Pigmentschmutz: Hierzu gehören etwa Strassenstaub, Bremsabrieb, Reifenteilchen usw. Bremsstaub bildet einen hartnäckigen Belag, welcher Korrosion begünstigt. Auch Vogelkot ist für Lacke extrem schädlich, da er stark säurehaltig ist. Schon nach einem Tag in der Sonne kann die Decklackschicht angefressen sein. Dasselbe kann mit Baumharz passieren. Und Honigtau, ein zuckerhaltiges (und ebenso klebriges) Ausscheidungsprodukt verschiedener Lausarten, bildet kurz nach dem Auftropfen durch Gärung Lack lösenden Alkohol. Nach dem Trocknen wird Honigtau sehr hart und ist oft nur noch schwer entfernbar. Bei all diesen Verschmutzungen gilt: Schnell handeln!

Spezielle Motorradreiniger 

Für die Reinigung von Motorrädern gibt es speziell entwickelte Reiniger, die in der Regel darauf ausgelegt sind, hart gegen Schmutz, aber sanft zu den verschiedenen Materialien zu sein. Ein guter Motorradreiniger hat die Eigenschaft, am Motorrad haften zu bleiben, um entsprechend einwirken zu können. Es empfiehlt sich, Töff immer in kaltem bzw. abgekühlten Zustand und nicht in der prallen Sonne zu putzen. Dies, damit man sich beim Handanlegen nicht verbrennt und damit die Reiniger nicht eintrocknen oder gar einbrennen, wobei sie unerwünschte Flecken verursachen könnten.

Anweisungen beachten

Zur Handhabung und Materialverträglichkeit ist sowieso immer die Gebrauchsanweisung auf dem Gebinde zu beachten, da es grosse Unterschiede zwischen verschiedenen Produkten geben kann. So gibt es etwa Töffreiniger, die nicht auf hochglanzpoliertem oder unlackiertem Aluminium angewendet werden dürfen.  

Hand anlegen

Im Idealfall reicht es bereits, den Töff nach der Einwirkzeit des Reinigers mit einem starken Wasserstrahl abzuspülen. Es gibt sogar Formulierungen, die selbsttrocknend wirken und ein Trockenreiben mit einem Leder unnötig machen. 

Bei stärkeren Verschmutzungen kann es aber nötig sein, auch noch von Hand nachzuhelfen. Womit man sein Motorrad reinigt, hängt immer von der Art des Schmutzes und der zu reinigenden Oberfläche ab. Vorsicht ist natürlich bei grobem Schmutz auf empfindlichen Teilen geboten, um durch das Reiben keine Kratzer zu verursachen. Hier empfiehlt sich das vorgängige Abspülen mit reichlich Wasser.

Mikrofaser

Mikrofaser betrachten Putzprofis als ideal für alle Reinigungsarbeiten auf empfindlichen Oberflächen, weil sie schon aufgrund ihrer Struktur viel Schmutz aufnimmt – sogar ohne chemische Reinigungsmittel. Mikrofasern – in der Regel hergestellt aus Polyester, Polyamid oder Polyacryl – sind feiner als alle natürlichen Faserarten, was mehr Volumen bei gleichem Gewicht bringt. Doch eben: Selbst das beste Mikrofasertuch wird Kratzer hinterlassen, wenn man damit sandige Oberflächen abreibt (z. B. nach Regenfahrten). Vermeiden sollte man Mikrofaser in Kombination mit Lösungsmitteln wie Ketten- oder Bremsenreiniger.

Für die Verwendung an Fahrzeugen sollte man zu besonders weichen, flauschigen Mikrofasertüchern greifen, da jene aus dem Haushaltsbereich eher zur harten Sorte gehören. Sie eignen sich zwar für Glas und unempfindliche Metall- oder Kunststoffteile, nicht aber für lackierte Oberflächen oder Plexiglas. Zu harte Mikrofasertücher können auch auf bereits gereinigten, glatten Flächen Spuren hinterlassen und allfällige Schutzwachse abtragen.

Bürsten

Für weniger glatte Oberflächen und für schwer erreichbare Ecken sind nach wie vor Bürsten die ungeschlagenen Reinigungswerkzeuge. Zumal es Bürsten in den unterschiedlichsten Formen und Härtegraden gibt.

Schwamm

Der klassische Wasch-Schwamm hat seine Stärken, wenn es um das Einseifen der Maschine und das anschliessende Abspülen geht. Der Schwamm gilt als der beste Wasserspeicher, wenn man zum Vor- und Nachspülen ohne Schlauch oder Hochdruckreiniger auskommen muss. Auch hier gilt: Groben Schmutz erst einweichen lassen und dann vorsichtig abspülen.

T-Shirts für die Kettenreinigung

Selbst ausrangierte Baumwoll-T-Shirts oder Ähnliches können beim Töffputz noch dienen. Allerdings nur da, wo es richtig schmierig wird und keine empfindlichen Oberflächen Schaden nehmen können. Zum Beispiel beim Reinigen der Antriebskette oder von Motorteilen.

Wo ist die Fahrzeugwäsche erlaubt?

Um sich keinen Ärger einzuhandeln, ist es ratsam, sich vor der Fahrzeugwäsche zu informieren, ob sie am vorgesehenen Ort erlaubt ist (z. B. Mietvertrag, Hausmeister, Gemeinde). Weil immer auch wasserverschmutzendes Öl, Fett etc. abgewaschen wird, dürfen Fahrzeuge nur auf Plätzen mit Anschluss an eine Kläranlage gewaschen werden – dies schreibt in der Schweiz das eidgenössische Gewässerschutzgesetz vor. Ein vorhandener Abflussschacht ist keine Garantie dafür, dass das Wasser tatsächlich in eine Abwasserreinigungsanlage geleitet wird. Bedenkenlos sind gewerbemässige Waschplätze oder speziell dafür ausgelegte Waschplätze in privaten Siedlungen (solche gibt es etwa in Tiefgaragen).

Saubere Putzwerkzeuge

Nach der Motorradwäsche müssen natürlich auch die Putzutensilien wieder sauber gemacht werden. Für Mikrofasertücher gibt es spezielle Mikrofaser-Waschmittel, welche die Weichheit und die Lebensdauer erhalten sollen. Schwämme und Bürsten spült man unter fliessendem Wasser. Und nach dem Trocknen sollte man sein Putzwerkzeug staubgeschützt aufbewahren.

Pflegen und Schützen

Damit Motorräder lange schön bleiben, müssen die verschiedenen Bestandteile nicht nur gereinigt, sondern auch konserviert werden. Im Handel finden sich Produkte, mit denen sich das ganze Bike – also sowohl Lack-, Metall- und Kunststoffteile – konservieren lässt (selbstverständlich nie Reifen und Bremsscheiben behandeln). Für die einzelnen Bestandteile finden sich aber auch spezifische Produkte zur Konservierung, Pflege und zur Wiederauffrischung ausgeblichener Teile oder milchig gewordener Plexiglasscheiben. Insbesondere bei matten Lacken ist Vorsicht geboten – für sie gibt es spezielle Pflegeprodukte.