Motorrad-Finanzierung - Auf Geldsuche

Nicht jeder hat das Geld, um ein Motorrad bar zu kaufen. Wir zeigen Wege, trotzdem ans ersehnte Bike zu kommen – und deren Stolpersteine.

Der Frühling steht vor der Tür, und in der Garage steht gerade mal ein alter Drahtesel. Das schreit nach einer Neuanschaffung. Doch was tun, wenn das Traummotorrad happige 17‘990 Franken kostet?

Bei einem Monatseinkommen von 6‘000 Franken sind da schon einige Klimmzüge notwendig. Und auch wer jeden Monat rund 1000 Franken auf die hohe Kante legt, spart über anderthalb Jahre, bis genügend Cash vorhanden ist. Konkret: Es wird Winter, Frühling und dann wieder Winter. Effektiv sind das zwei Jahre, bis im übernächsten Frühling gestartet werden kann.

Ist nun guter Rat teuer? Wir wollen einmal die verschiedenen Möglichkeiten durchgehen, um noch in diesem Frühling zu einem Motorrad zu kommen. Vorweggenommen sei, dass das nicht gratis zu haben ist. Andere wollen auch ihr Geschäft machen.

Altbekannte Abzahlung

Dia klassische Variante ist der Kauf auf Raten. Die Anzahlung kann dabei frei gewählt werden, die Dauer ebenfalls. Üblich ist eine Anzahlung von 20 Prozent, in unserem Fall also 3‘798 Franken. Für den Rest wird jeweils meist eine Bank hinzugezogen. Das Fahrzeug geht sogleich in den Besitz des Käufers über. Das Kreditinstitut wird jedoch darauf bestehen, dass ein Eigentumsvorbehalt eingetragen wird, es also das Motorrad nötigenfalls abholen kann.

Wichtig: Im Vertrag muss der Gesamtpreis angegeben werden, also mit allen zusätzlichen Kosten, beispielsweise Bearbeitungsgebühren. Angeben muss man gemäss Gesetz zudem den effektiven Jahreszins, der 15 Prozent nicht übersteigen darf und sich auf den Gesamtpreis des Bikes bezieht. Wichtig ist auch das Rücktrittsrecht, das der Käufer während bis zu sieben Tagen nach Vertragsabschluss hat. Zudem muss seine Kreditfähigkeit überprüft werden.

Der Trend zum Leasing

Weil das Abzahlungsgeschäft nicht mehr so attraktiv ist, haben die klugen Kaufleute eine neue Vertragsform entwickelt - das Leasing. Dabei wird das Motorrad gemäss den Wünschen des Kunden von der Leasingfirma beschafft, bezahlt und dem Kunden zum Gebrauch überlassen. Es bleibt jedoch im Besitz der Leasing-Firma. Man spricht von einem Nutzungsüberlassungsvertrag.

Der Leasingnehmer seinerseits zahlt dafür eine monatliche Leasingrate und ist für die laufenden Kosten des Bikes zuständig. Nach Ablauf der Leasingfrist wird es interessant bzw. kritisch. Das Motorrad bleibt nämlich nach Fristablauf im Besitz der Leasingfirma. Wer es behalten will, muss schon bei Vertragsabschluss eine Kaufoption vereinbaren. In diesem Fall kommt es auf den Restwert des Bikes an, der schon bei Vertragsabschluss (meist mit dem Händler) vereinbart wird.

Hier kann es zu grösseren Schwankungen kommen, wie wir es kürzlich bei der Frankenstärke und den dadurch sinkenden Neupreisen gesehen haben. Auch die Occasionenpreise sinken in dieser Situation, und das Motorrad ist beim Ablauf der Frist weniger wert als ursprünglich vereinbart. Wer nun eine Kaufoption hat, kann darauf verzichten. Dies wird aktuell, wenn ein gleichwertiges oder sogar besseres Bike günstiger auf dem Occasionenmarkt zu finden ist.

Was oft vergessen wird

Bekanntlich wollen die Leasingfirmen ein Geschäft machen. Um ja kein unnötiges Risiko einzugehen, verlangen sie den Abschluss einer Vollkaskoversicherung. Und natürlich verlangen sie einen Zins für das eingesetzte Kapital. Dieser darf wiederum 15 Prozent nicht übersteigen. In der Realität sind die verlangten Zinsen weit von dieser Obergrenze entfernt. Es gibt sogar Firmen, die 0 Prozent Leasing anbieten.

Wie ist dies möglich? Einerseits wird damit von bestimmten Bike-Importeuren Absatzförderung betrieben, also indirekt Rabatt gewährt. Andererseits rechnen einige Finanzinstitute zwar mit dem Listenpreis, bezahlen jedoch effektiv weniger. Absprachen zwischen Händler und Leasingfirma sind legal und gelten als „normal“.

Was ebenfalls oft vergessen wird: Das Motorrad ist nach Ablauf der Frist in entsprechend gutem Zustand zurückzugeben. Wenn es vergammelt oder beschädigt ist, fallen zusätzliche Kosten an. Sogar ein genügendes Reifenprofil wird verlangt. Meistens ist zudem eine Begrenzung der gefahrenen Kilometer vertraglich festgelegt. Mehrkilometer werden teuer in Rechnung gestellt.

Tipp: Geld beschaffen und bar bezahlen

Zum Abschluss noch der Tipp mit dem Kredit. Wer sich Geld bei der Bank holt, kann besser mit dem Händler verhandeln und bar bezahlen. Es ist jedoch nicht ganz einfach, einen derartigen Kredit zu erhalten. Denn die Banken sind vorsichtiger geworden. Die Kreditfähigkeit wird minuziös überprüft. Das verlangt wiederum das Gesetz. Dafür sind die Kosten meist günstiger.

Noch günstiger ist es, einen Papa oder Grosspapa zu haben, der das Geld zinslos vorschiesst. Wohl dem, der eine solche Finanzquelle hat. Dass die lange nicht alle haben, zeigt die steigende Häufigkeit von Kreditzahlungen. Bei Motorrädern sollen es grob 15 bis 20 Prozent sein, die auf Kredit (nicht nur Leasing) gekauft werden. Es besteht eine grosse Grauzone, da nicht umfassend dokumentiert ist, woher das Geld kommt.