Honda CB1000R - Zeitmaschine

Zehn lange Jahre mussten sich Honda Fans gedulden, bis der weltgrösste Motorradhersteller ein umfassendes Update des legendären Streetfighters CB1000R ins Auge fasste. Jetzt endlich ist die Neue da.

Zahlen zur Honda CB1000R 

  • Motortyp: Reihenvierzylinder-Viertakter

  • Hubraum: 998 ccm

  • Max. Leistung: 145 PS bei 10‘500/min

  • Max. Drehmoment: 104 Nm bei 8'250/min

  • Gewicht: 212 kg vollgetankt

  • Preis Testmotorrad: Zubehörpreise noch offen

  • Basispreis: 14‘450 Franken

  • Konkurrenten: Kawasaki Z1000, Suzuki GSX-S 1000, Triumph Speed Triple S

  • Spezifische Infos: 2 Jahre Garantie ohne Kilometerbeschränkung, Inspektion alle 12'000 km, Einstellung Ventilspiel: alle 36'000 km

  • Stand: März 2018

Kein Motorrad-Segment ist derzeit populärer als jenes der Naked-Bikes. Und kein Töff hat dieses Segment während der letzten zehn Jahre gleichermassen geprägt und dominiert wie die Honda CB1000R. Vom Reihenvierzylinder der 2006er-Fireblade befeuert, bot sie prämierten Knall, sie war kompakt, ausgesprochen flink und sehr einfach zu fahren. Entsprechend pulverisierte die Japanerin in den ersten Jahren ihres überdurchschnittlich langen Lebenszyklus die Konkurrenz gleich reihenweise. Doch der Zahn der Zeit begann langsam aber sicher an der CB zu nagen, sprich, sie musste sich technisch nahezu unverändert von Jahr zu Jahr hangeln, während die Konkurrenz langsam aber sicher an ihr vorbeizuziehen begann. Kommt hinzu, dass sich rund um die klassischen Streetfighter, zu den die Honda zählte, neue Naked-Segmente zu bilden begannen; die inzwischen über 170 PS starken Hyper-Nakeds und die Nackten der oberen Mittelklasse. Wobei gerade Letztere den traditionellen Streetfightern in puncto Absatzvolumen inzwischen nachhaltig das Wasser abgraben.

Stärker, leichter und digitalisiert

Jetzt ist sie also da, die rundumerneuerte und ab sofort für 14’450 Franken in Rot, Schwarz und Grau erhältliche CB1000R. Leichter wurde sie – satte 12 Kilo – (212 Kilo vollgetankt), und stärker: Der Sechzehnventiler wurde auf eine Topleistung von respektablen 145 PS gebracht (plus 20 PS). Geschehen ist dies über eine Anhebung der Verdichtung, den Einsatz von Schmiede- anstelle von Gusskolben sowie über Optimierungen am Zylinderkopf und an der Einspritzung. Dazu wurde das Getriebe kürzer übersetzt und eine Rutschkupplung mit reduzierten Bedienungskräften verbaut.

Die Gewichtseinsparungen wurden primär an der neuen Auspuffanlage (-4,5 Kilo) und an der Schwingenaufnahme des sonst unverändert übernommenen Stahl-Rückgratrahmens erzielt. Neu sind beim Fahrwerk auch die breite 190er-Bereifung hinten und die Big-Piston-Gabel von Showa.

Die wichtigste technische Neuerung ist aber klar das Elektronikpaket: Musste die Vorgängerin bis auf das ABS noch gänzlich ohne Assistenzsysteme auskommen, ist bei der Neuen alles dabei, was man sich wünschen kann: Ride-by-wire, vier Riding-Modes, Motorbrems- und Traktionskontrolle.

Streetfighter im Designer-Anzug

Dass der Naked-Markt inzwischen stark gesättigt ist, weiss man auch bei Honda. Entsprechend wählte man für die CB1000R einen anderen – einen eigenen Weg, was sich primär im eigenständigen Design wiederspiegelt. Es hat eine klassische Note und wird so dem aktuellen Vintage-Trend gerecht, versprüht aber dennoch eine gewisse Eleganz und unterstreicht mit den vielen gefrästen Alu-Elementen Technik-Flair. Die Neue will also kein radikales Power-Naked-Bike sein und spricht entsprechend eine breitere, weniger hypersportlich orientierte Käuferschicht an.

Aufsitzen, fahren, wohlfühlen – eine Honda eben!

Fahrdynamisch passt die Honda auf diese Zielkunden nahezu perfekt: Der Komfort liegt für ein Naked-Bike auf sehr hohem Niveau, ergonomisch liegt – wenngleich kompakt ausgelegt – alles im grünen Bereich. Das Bike wirkt solid; Anmutung und Detailverarbeitung sind top!

Der mit einem bassig-wuchtigen Sound aufwartende Reihenvierer geht unabhängig vom vorgewählten Modus stets sanft ans Gas und überzeugt ab 4000/min mit massigem Druck. Die Musik spielt dann aber zwischen 6000 und 8000/min, wo ein süffiger Mix aus Punch und Knall vorliegt. Eine tolle Performance liefert neben der Traktionskontrolle auch der Quickshifter, der wie die hübschen Alu-Blenden und die Sozius-Abdeckung aus dem Zubehörprogramm stammt.

Messer zwischen den Zähnen? Eher nicht...

Auch das Fahrwerk macht bei sportlichem Normaltempo eine souveräne Figur: Es gibt sich süffig-handlich und bietet eine satte Stabilität. Anders sieht es aus, wenn man einen richtig heissen Gummi fahren will. Dann muss man die CB über 8000/min drehen, wobei der Antrieb seine Komfortzone zu verlassen scheint. Die Power wird bis in den Begrenzer bei 12‘000/min zwar in Hülle und Fülle bereitgestellt, doch die Ansprache wird dann eher nervös. Auch das Fahrwerk gibt sich nicht mehr unbekümmert-harmonisch, wobei am Lenker laufend feine Korrekturen vorzunehmen sind.

Was aber nicht heisst, dass die CB1000R fahrdynamisch nicht auf der Höhe wäre. Im Gegenteil. Es ist nur so, dass es inzwischen Naked-Bikes gibt, die als Präzisionsinstrumente durchgehen und sich schon beim leisesten Gedanken ans Abwinkeln quasi von selbst ins Eck katapultieren. Da gelingt es der Honda nicht, das Alter ihrer konstruktiven Basis zu kaschieren, und man spürt, dass hier in der Summe nach wie vor ein klassisches Streetfighter-Konzept vorliegt.

Aber eben: Die Honda CB1000R will kein Hyper-Naked-Bike sein und sich stattdessen einem breiteren, heterogeneren Publikum anbieten. Und hierfür liefert sie alle erforderlichen Qualitäten.

+++ Wertungen +++

Das hat uns gefallen:

  • Eigenständiges Design
  • Anmutung, Qualität, Liebe zum Detail
  • Gute elektronische Assistenzsysteme
  • Kräftiger Reihenvierzylinder
  • Fahrwerk wird dem Einsatzzweck gerecht
  • Überraschend komfortabel

Das hat uns weniger gefallen:

  • Konstruktive Basis etwas angestaubt
  • Lenker dürfte etwas breiter sein
  • Zubehör-Alu-Blenden sind sehr heikel (Steinschläge)

 

1868 / 1600 1.1675

Bildergalerie Honda CB1000R

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