Auf die sanfte Tour

Es war eine der ganz schönen Touren der zu Ende gehenden Töffsaison 2011: Von Neuenburg über Valangin nach Pontarlier, dann ein Abstecher ins Tal der Loue und durch den französischen Jura hinunter nach Goumois.

Die Tour:

Distanz: ca. 200 km
Fahrzeit: ca. 4 Stunden
Sehenswert: Schloss Valangin bei Neuenburg, Château de Joux be Pontarlier, Vallée de la Loue, der Doubs bei Goumois und das Pferdemekka Saignelégier.
Beste Jahreszeit: April bis Oktober
Karte: Strassenkarte der Schweiz 1:200 000 von swiss-topo, Ausgabe 2010 – 2011. Strassenkarte Michelin, Französischer Jura, 1:150 000.


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Hat er einen einmal erwischt, so hört der Jura nicht auf, seine Faszination auf den Besucher auszuüben. So geht es auch uns – die sanften Hügel und die oft fast leeren Weiten dazwischen strahlen eine fast magische Anziehung aus. Und nicht nur das: Im Jura gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Burgen à gogo

So etwa das Örtchen Valangin am Eingang in die Gorges du Seyon, dem Durchbruchstal des Seyon durch die vorderste Jurakette. Gleich hinter Neuenburg gelegen, birgt Valangin mit dem gleichnamigen Schloss ein wahres Bijou. In mehreren Etappen bis zum 16. Jahrhundert errichtet und mit einer Ringmauer mit sechs halbrunden Türmen versehen, beherbergt die gut erhaltene Burg ein Museum mit Ausstellungsobjekten zur Geschichte des Kantons Neuenburg. Der mittelalterliche Ort zu seinen Füssen zählt heute gerade einmal gut 400 Seelen und lässt einstige Schönheit erahnen.

Auf verschlungenen Wegen fahren wir weiter nach Petits-Ponts (nahe Les Ponts-de-Martel) und von dort über Couvet und Fleurier Richtung Pontarlier. Kurz vorher bewundern wir noch das Château de Joux. Auf einem Felshügel gelegen, gilt es als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Franche-Comté. Die ältesten Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Heute ist das majestätische Schloss von fünf Befestigungsringen umgeben.

Nichts für Weight Watcher

Ob so viel handfester Historie beginnt uns der Hunger zu plagen. Darum nichts wie los nach Pontarlier. Die D74 führt mitten durchs Städtchen. Das „Grand Café Français“ und die „Brasserie de la Poste“ liegen beide an der Rue de la République direkt im Herzen der alten Handelsstadt unweit der Schweizer Grenze. Wir setzen uns in die „Poste“ und bestellen einen „Jésu de Morteau“. Mit Religion hat der gar nichts zu tun, sondern es handelt sich um ein nahr- und schmackhaftes einfaches Gericht aus Kartoffeln und der leckeren Wurst aus dem benachbarten Morteau. Dazu gibt’s Salat und flüssigen Käse, den man über die Kartoffeln giesst. Weight Watchern ist solches ein Graus – hungrige Biker kümmert das kaum…

Bestens gestärkt machen wir uns auf den Weg ins Vallée de la Loue. Die prächtigen Orte Lods und Ornans lassen wir heute links liegen; wir besuchen sie ein ander Mal wieder. Stattdessen unterhalten wir uns mit dem französischen Paar auf der schmucken Harley – und werden uns bald einig, dass das Brettern durch die vielen Kurven zwischen Felswand und Abgrund mehr Fingerspit-zengefühl braucht, als wir den jungen Franzosen auf ihren schnellen Flitzern wirklich zutrauen. Hoffentlich irren wir uns...

Asterix ist nicht zuhause

Nächster Halt: Mouthier-Haute-Pierre. Blühende Bäume und kräftige Pferde samt zugehöriger Kut-sche erfreuen das Herz; im kleinen Ort wird gefeiert. Wir geniessen das Schauspiel einen Moment, klemmen uns dann aber bald wieder in den Sattel und erklimmen den steilen Rand des Tals der Loue. Wieder auf dem Hochplateau, geht’s Richtung Valdahon. Unterwegs bestaunen wir am Wegrand einen dieser riesigen Kupferkessel – Asterix aber lässt sich nirgends blicken. Statt den Gallier treffen wir eine Herde Kühe, die uns anstarren, als kämen wir vom Mond.

Dabei sind wir im nahen Helvetien gestartet, und dorthin zieht‘s uns nun zurück. Wir cruisen weiter nach Maiche und lassen uns bald danach in den Abgrund fallen: Nach Goumois am Doubs. Statt uns dort aber eine Forelle zu genehmigen – den Gewichtswächtern ginge das nun definitiv zu weit –, erklimmen wir die Höhe und erreichen im flotten Galopp Saignelégier, das Mekka der Schweizer Pferdefreunde und Hauptort der Freiberge. Von hier nehmen wir den Ritt nach Hause unter die Räder.

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