Motorradtouren - Fünf Pässe - Fünf Kantone

Zugegeben, es müsste nicht an einem Sonntag sein. Und auch nicht bei mehr als 30 Grad im Schatten. Aber sonst ist die 5-Pässe-Tour im Zentrum der Schweiz ein Traum. Wenn auch nicht für Anfänger oder solche mit einer (zu) kleinen Maschine.

Die Tour:   

Distanz:    ca. 300 km
Fahrzeit:    ca. 8 Stunden
Sehenswert:    Fünf Pässe: Grimsel (2165 m.ü.M.), Furka (2431), Oberalp (2044), Lukmanier (1914), Nufenen (2478). Fünf Kantone: BE, UR, GR, TI, VS. Aareschlucht, Urserental, Hinterrheintal, Val Blenio, Val Bedretto.
Beste Jahreszeit:    Juni bis Oktober
Karte:    Strassenkarte der Schweiz 1:200 000 von swiss-topo, Ausgabe 2010 – 2011


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Schon kurz nach 9 Uhr starten wir von Brienz aus Richtung Grimsel, und schon bald wird klar: Heute sind wir nicht allein. Hunderte von anderen Töfffahrern und im Verlauf des Tages eine gefühlte Million Radfahrer teilen sich mit uns die Strasse. Das wird eine gute Konzentrationsübung heute.

Beim ersten Stopp unterhalb der Staumauer Räterichsboden der Kraftwerke Oberhasli sehen wir uns das monumentale Werk des Burgdorfers Pierre Mettraux an und stellen fest: „Mélisande“ ist bereits in die Jahre gekommen und beginnt beidseitig auszubleichen. Und weiter stellen wir fest: Auch in der Höhe ist der Wassermangel nicht zu übersehen – der Stausee war auch schon voller.

Grimsel und Furka

Kurven, soweit das Auge reicht: Blick von der Grimsel hinunter nach Gletsch und auf die Furkastrecke.
Auf der Passhöhe blinken schon Dutzende von Motorrädern in der Sonne. Wir ziehen hinunter nach Gletsch und geniessen dabei das herrliche Alpenpanorama und den Blick auf die gegenüberliegende Furka-Strasse. Kurz vor der Passhöhe erschrecken wir eine Gruppe von Japanern, obwohl wir, wie sichs gehört, im Schneckentempo um die Ecke beim „Bélvédère“ kriechen.

Auf dem Weg hinunter ins Urserental freuen uns über die vielen wunderschönen Kehren, bevor wir die Reise der Reuss entlang zügig Richtung Realp und Andermatt fortsetzen.

Oberalp und Lukmanier

Die Radfahrer werden scheinbar immer mehr, und es sind in der Mehrzahl Italiener, die in Gruppen – und teils zu dritt nebeneinander – Richtung Oberalp keuchen. Kurz vor dem Pass weitet sich das Tal, und neben der Strasse begleitet uns die Zahnradstrecke der früheren Furka-Oberalp-Bahn – heute heisst sie Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Aus dem Kanton Uri wechseln wir nun bald nach Graubünden. Wir geniessen die Berglandschaft und die alten Häuser entlang der Strasse, die uns durchs Hinterrheintal nach Disentis führt. Von dort klettern wir rechterhand durchs Val Medel hinauf zum Lukmanier, wo sich die europäische Wasserscheide befindet. Bevor wir die Passhöhe erreichen, gönnen wir uns eine Fahrt über den Staudamm – und den Blick hinunter ins Wasser, in dem sich viele Fische tummeln.

Und schon haben wir das Tessin erreicht. Genauer das unvergleichlich schöne Bleniotal, wo der Bergheuet in vollem Gang ist. Klingende Namen wie Olivone, Acquarossa und Acquacalda begleiten uns, bevor wir in Biasca kehrt machen und das Ross wieder nach Norden treiben.

Leventina und Nufenen

Es ist heiss in der Leventina; sehr heiss sogar. Der bestellte Liter Mineralwasser ist in zehn Minuten weg. Die Pause tut gut. Erholt machen wir uns auf in Richtung Airolo.

Statt über den Gotthard zurück nach Andermatt zu fahren steht uns der Sinn jetzt nach langgestreckten Kurven und schnellen Tempi. Das Bedrettotal auf dem Weg zum Nufenenpass ist dafür bestens geeignet, und wir folgen einer BMW, die sehr zügig die Passstrasse hinaufzieht.

Auf dem Nufenen dann wiederum dasselbe Bild wie auf der Grimsel, der Furka, dem Oberalp und dem Lukmanier: Stahlrösser, soweit das Auge reicht. Oldtimer, mit Liebe restauriert, Rennpferde, von jungen Rittern getrieben und alte Schlachtrosse mit nicht mehr ganz taufrischen Besitzern – schön!

Durchs Goms zurück

Die Talfahrt ins Obergoms führt uns – unweit der Grenze zu Italien – vom Tessin ins Wallis, dem bereits fünften Kanton auf unserer heutigen Reise. Die schwarzbraunen Holzhäuser auf der Strecke zurück nach Gletsch erinnern uns ein wenig an jene aus dem Graubünden, urchig und uralt wie sie sind. Noch einmal – zum sechsten Mal heute – erklimmen wir einen Pass und erreichen auf der Grimsel wieder Berner Boden.

Ein unvergesslich schöner Motorradtag neigt sich dem Ende entgegen, als wir über Guttannen und Meiringen zurück in Brienz einfahren. Müde und mit ledernem Hintern, aber glücklich und zufrieden. Und mit der Erkenntnis: Nicht jede Sozia würde eine solche Ochsentour mitmachen.

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