Motorradtouren

 
 

 

 


Am wärmsten Tag zum kältesten Ort
Während andere nach Kanda reisen, begnügen wir uns mit einem Ritt durch den Neuenburger Jura. Dabei ist das Ziel La Brévine, der kälteste Ort im Land.
27.04.2011 Gerhard Enggist

Klein und fein: Das Brocante-Städtchen Le Landeron.
Es ist der bisher wärmste Tag im Jahr, als wie uns in Le Landeron zum Kaffee treffen. Wetterfrosch Thomas Bucheli hat den ganzen Tag Sonnenschein satt versprochen, und der muss es ja schliesslich wissen. Wir bummeln gemächlich durch das liebliche Städtchen, das jeweils am letzten Wochenende im Ende September Schauplatz der Brocante ist, des grössten und wichtigsten Antiquitätenmarkts der Schweiz unter freiem Himmel.

Jetzt aber sitzen bloss eine Handvoll Sonnenhungriger unter den noch blattlosen Platanen neben dem leise plätschernden Brunnen, die Mopeds haben sie in Sichtweite abgestellt. Die ersten Velofahrer sind auch schon da – der Frühling kann kommen.

See-Panorama
Blick über den Lac de Neuchâtel.
Nach dem Besuch in einem kleinen Antiquitätenladen zieht es uns aufs Bike. Vom nahen La Neuveville ziehen wir durch die Rebberge hinauf Richtung Lignères und geniessen dabei den Blick hinab auf den Bielersee und die Petersinsel. Kurz vor Lignères halten wir links und lassen wir uns durch ein langgezogenes Waldstück gleich wieder runterfallen. Dabei bieten sich uns schöne Ausblicke auf den Lac de Neuchâtel.

Nach wenigen Kilometern biegen wir Richtung Enges ab und klettern den Berg wieder hoch. Unser erstes Highlight, der Chaumont, ist nun nicht mehr weit. Bevor wir die Krete erreichen, halten wir vor dem Wald still und geniessen das wunderbare Panorama.

700 Meter lange Rodelbahn
Der Biker-Treff auf der Vue des Alpes.
Vom Grand Chaumont runter ins Tal sind es nur wenige Minuten. Wir durchqueren die kleine Ebene und steigen hinauf nach Cernier. Über die Schnellstrasse erreichen wir das nächste Etappenziel: Die Vue des Alpes. Wie meist sind wir dort nicht alleine; Aargauer und Genfer, französische und deutsche Stahlrosse stehen blinkend und frisch geputzt in der Frühlingssonne.

Für den Tobbogan, die 700 Meter lange Rodelbahn „mit dem unvergleichlichen Kurvenfeeling“ ist es uns noch zu kühl – am Rand des Parkplatzes grüsst der Winter in Form eines dreckigen Haufens Schnee. Stattdessen kaufen wir uns von der Madame im Holzhäuschen ein schön grosses Stück alten Gruyère von der Fromagerie aus Chaux-du-Milieu. Der vom letzten Jahr war preisgekrönt – und himmlisch…

Le Locle: Uhrenstadt und Weltkulturerbe
Einen Besuch wert: Das Uhrenmuseum in Le Locle.
Zurück im Sattel steuern wir hinunter Richtung La Chaux-de-Fonds, biegen aber vorher ab ins liebliche Vallée des Ponts. Beim Ortsschild La Sagne kommt ein kleiner Hunger auf… Doch wir sind hier nicht in Italien, sondern im Neuenburger Jura. Darum hüpfen wir über den nächsten Bergrücken in die Uhrenstadt Le Locle.

Das Städtchen mit seinen rund 10‘000 Einwohnern gilt als Wiege der schweizerischen Uhrmacherei und gehört seit 2009 zum UNESCO-Welterbe. Rolex, Tissot und Certina sind nur einige der grossen Namen, die von hier aus die Welt erobert haben. Das nahe gelegene Höhlenmuseum ist immer einen Besuch wert.

Kalt, kälter, La Brévine
Die nahe Grenze werden wir ein anderes Mal überqueren und so zum Doubs gelangen. Heute bleiben wir in der Schweiz und ziehen weiter Richtung La Brévine. Durch die unvergleichlich schöne Juralandschaft mit ihren riesigen, uralten Tannen erreichen wir im flotten Trab La Brévine.

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Auf gut 1000 Metern Höhe im offenen Neuenburger Jura gelegen, gilt der Flecken als kältester Ort des Landes. Temperaturen bis minus 30 Grad sind im „Sibirien der Schweiz“ keine Seltenheit – im Jahr 1987 wurden gar unglaublich frostige –41,8 Grad erreicht, die bisher tiefste je gemessene Temperatur im Land!

Das Paradies ist nicht weit
Der Lac de Taillères bei La Brévine.
Wir haben Glück: Heute klettert das Thermometer hier auf rund 20 Grad – es ist damit rund 60 Grad wärmer als an diesem kältesten Tag vor gut 24 Jahren. Wir halten weiter nach Westen und erreichen nach wenigen Kilometern unser heutiges Ziel: Den Lac de Taillères.

Der kleine See ist ein Idyll – und ich frage mich hier jedes Mal, warum wohl die Leute den langen Flug nach Kanada auf sich nehmen, wenn doch das Paradies so nahe liegt...

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Die Tour:
Distanz:ca. 130 km
Fahrzeit:ca. zwei Stunden
Sehenswert:Chaumont, Vue des Alpes, Lac des Taillères, Uhrenstadt Le Locle
Beste Jahreszeit:März bis Oktober
Karte:Strassenkarte der Schweiz 1:200 000 von swiss-topo, Ausgabe 2010 – 2011



Detaillierte Route auf Google Maps


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Kommentare (2)


Grätzer Marcel (31.05.2011 20:35:00)
Sensationelle schöne Gegend. Bin schon mehrmals mit dem Töff da rumgefahren. Wenig Verkehr. Kann man nur empfehlen.
Ist immer noch ein Geheimtip. Denn viele deutschschweizer fahren immer über dieselben Pässe. Gut für die, die in's Jura fahren.
Rahel Sommer (27.04.2011 17:26:46)
Das macht so richtig Lust, grad mal loszufahren. Leider denkt man als Berner nicht gleich an den Jura - es muss ja nicht immer das Oberland sein, mit gestauten Strassen den Seen entlang.
Gute Idee, danke!

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