Saisonstart

Vor der Saison heisst es: Schrauben und kontrollieren.
 
 

 

 


Start your Engines
Wer zu Saisonbeginn nur den Starter drückt, macht es sich zu einfach. Unsere Tipps, wie Maschine, Mensch und Ausrüstung für die neue Saison bereit werden.
01.05.2013 Michael Kutschke

Endlich! Die kalte Jahreszeit neigt sich dem Ende zu. Jetzt heisst es, den Töff samt Ausrüstung und nicht zuletzt auch sich selbst startklar für die Saison zu machen. Hier ein paar Infos zu vorbereitenden Arbeiten und Prüfungen, die jeder ausführen kann.

Die Maschine
Mit unserer Checkliste wecken Sie Ihre Maschine aus dem Winterschlaf.

Achtung: Bei längeren Standzeiten können Dichtungen Schaden nehmen.
Achtung: Bei längeren Standzeiten können Dichtungen Schaden nehmen.
Reinigen: Motorrad von Staub- oder Konservierungsmittelresten reinigen. Die beste Sichtprüfung macht man beim Putzen! Betrachten Sie dabei alle Bauteile. Sitzen alle Schrauben und Muttern fest, liegen die Kabel, Leitungen und Schläuche reibungsfrei an ihrem Platz? Bowdenzüge auf Leichtgängigkeit checken.

Elektrik: Setzen Sie die befüllte und geladene Batterie wieder ein und kontrollieren Sie, ob beim Drehen des Zündschlüssels alle Kontrollleuchten angehen. Dann gilt es die Funktion aller elektrischen Bordeinrichtungen prüfen, z.B. Kill-, Kupplungs- und Seiten- ständer-schalter.

Beleuchtung: Kontrollieren Sie den Hauptscheinwerfer, Rück- und Bremslicht, Blinker und auch die Kennzeichenbeleuchtung.

Kalte Strassen: Abgefahrene Pneus haben weniger Grip. Das gesetzliche Limit von 1,6 mm sollte nicht ausgeschöpft werden.
Kalte Strassen: Abgefahrene Pneus haben weniger Grip. Das gesetzliche Limit von 1,6 mm sollte nicht ausgeschöpft werden.
Räder: Reifendruck kontrollieren und anpassen. Genügt die Profiltiefe noch den gesetzlichen Vorgaben? Befestigungsschrauben auf festen Sitz prüfen. Neue Pneus vorsichtig einfahren, bis sie genügend Grip haben.

Federn und Stossdämpfer: Gibt es Brüche oder Risse? Tritt an den Dämpfern Öl aus?

Kette: Kette samt Kettenrad und Ritzel auf Verschleiss prüfen und ggf. einsprühen. Spannung justieren. Nicht zu straff einstellen.

Bremsen: Die Bremsleitungen dürfen weder Risse noch Scheuerstellen aufweisen. Bremswirkung, Druckpunkt der Bremse und Freilauf der Räder prüfen. Stärke der Bremsbeläge sowie Flüssigkeitsstand im Ausgleichsbehälter überprüfen.

Kraftstoffleitungen: Alle Verbindungen und Leitunge müssen dicht sein und frei von Scheuerstellen. Das Fahrzeug darf nicht nach Kraftstoff riechen.

Bauartveränderungen: Wurden eintragungspflichtige Um- bzw. Anbauten am Motorrad vorgenommen und vom Strassenverkehrsamt abgenommen?

Ölstände und Flüssigkeiten: Kontrollieren Sie alle Ölstände und Flüssigkeiten. Haben sich unter der Maschine Öllachen gebildet? Bei längeren Standzeiten können Dichtungen schadhaft werden. Lassen Sie den Motor im Standgas ein paar Minuten laufen, damit sich ein ausreichender Ölfilm im Motor aufbaut. Dem Motor erst dann höhere Drehzahlen zumuten, wenn er auf Betriebstemperatur ist.

Probefahrt: Machen Sie eine kurze Testfahrt, möglichst auf einer wenig befahrenen Nebenstrasse oder auf einem leeren Parkplatz. Überprüfen Sie alle Funktionen der Maschine. Machen Sie vorsichtig erste Bremstests. Lassen sich eventuelle Mängel oder Defekte nicht sofort beheben, verzichten Sie besser auf den ersten Ausflug mit Ihrem Motorrad.

Falls Ihnen das Know-how oder Werkzeug fehlt, bieten viele Garagen so genannte "Frühlingschecks" an. Dabei werden meist die eben aufgezählten Punkte kontrolliert und bei Bedarf gleich repariert. ___________________________________________________________________

Der Mensch
Fahrtechnik und Reaktion sind zu Saisonbeginn nicht so gut wie am Ende der letzten Saison. Empfehlenswert: ein Sicherheitstraining (TÖFF-Tipp: Zahlreiche Versicherungen übernehmen einen Teil der Kosten) oder wenigstens ein paar Übungen, um die Fahrtechnik wieder aufzufrischen.

Suchen Sie sich einen Parkplatz und frischen Sie mit Übungen Ihre Fahrtechnik wieder auf.
Suchen Sie sich einen Parkplatz und frischen Sie mit Übungen Ihre Fahrtechnik wieder auf.
Die ersten Übungen: Suchen Sie sich einen Parkplatz, markieren Sie mit Kreide eine Acht und beginnen Sie, diese in langsamem Tempo zu fahren. Steigern Sie behutsam die -Geschwindigkeit, gehen Sie vom Rollen in aktives Bremsen und Beschleunigen über.

Dann ist das Bremsen an der Reihe: Markieren Sie, wo Sie zum Stillstand kommen wollen, steigern Sie schrittweise die Anfahrts-geschwindigkeit. Überbremsen Sie, driften Sie, lassen Sie es rutschen. Die optimale Übung fürs Gleichgewicht und das gefahrlose Wiederertasten des Grenzbereichs. Jetzt gilt es nur noch, bei der ersten Tour die veränderten Strassen- und Verkehrsverhältnisse zu berücksichtigen.

Die erste Ausfahrt: Zum Eingewöhnen sollte man nur kurze Ausfahrten unternehmen und nicht gleich die anspruchsvolle Bergstrecke wählen, sondern erst wieder «einrollen». Im Frühjahr sind die Tage noch kurz. Deshalb nicht zu lange Etappen planen. Und machen Sie ihre erste Tour ohne sozialen Druck - also allein. Die Ausfahrt mit den Kumpels lieber auf später verlegen. Daran denken, dass die Autofahrer sich noch nicht auf Motorradfahrer eingestellt haben.

Die Beschleunigung wird zu Saisonbeginn oft unterschätzt - mit fatalen Folgen. Der sich verabschiedende Winter hält noch Überraschungen parat, nämlich Frostschäden, Reste von Eis, Schnee oder Splitt. Daher ist im Frühjahr der Fahrbahnoberfläche besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Hier hilft eine vorausschauende Fahrweise - gerade mit dem Wissen um diese Gefahr. ___________________________________________________________________

Die Ausrüstung
Hand aufs Herz: Wie alt sind ihre Motorradklamotten? Älter als zehn Jahre? Dann wird’s in Sachen Schutzkleidung höchste Zeit für ein Update.

Manch ältere Motorradbekleidung würde bei Beachtung heutiger Ansprüche, Erkenntnisse und Erfahrungen nicht mehr den Namen «Schutzkleidung» verdienen, weil sowohl die Obermaterialien als auch die Schutzpolster bei geringen Unfallbelastungen keine wirksame Schutzfunktion mehr bieten.

Genähter Helm, gesehen in Sambia. Und wie ist der Zustand Ihrer Ausrüstung?
Genähter Helm, gesehen in Sambia. Und wie ist der Zustand Ihrer Ausrüstung?
Kritische Prüfung vorhandener Kleidung: Wie alt ist die Kleidung? Wie ist der Gesamtzustand der zurzeit benutzen und «geliebten» Motorradkluft? Schutzkleidung unterliegt auch ohne Unfallereignisse einem gewissen Verschleiss, besonders bei regelmässiger oder häufiger Nutzung.

Deswegen sollte man besonders Nähte vor allem an Materialkombinationen von unterschiedlicher Festigkeit (Textil-Textil oder Textil-Leder) prüfen. Weitere Prüfpunkte sind Reissverschlüsse (einschliesslich der Befestigungsnähte), Druckknöpfe, Klettverschlüsse, Bündchen mit oder ohne Gummizug, Innenfutter (auch hier die Nähte und das Taschenfutter). Lohnt sich eine Reparatur der festgestellten Schäden?

Bereit für die neue Saison?
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Kommentare (2)


royber (23.03.2012 09:15:29)
@diego: hihi coole (schleich)werbung. ist aber so, du hast absolut recht! ich habe mich schon vor deinem kommentar zu einem kurs angemeldet. ...was mich noch so spontan interessiert; werden die afterwork-kurse auch unterstützt?
Diego Tomasini (19.03.2012 19:05:52)
Hallo Kollegen
Gute Tip's von Euch, bravo.
Vielleicht wäre noch zu ergänzen, dass der VSR über den Fonds für Verkehrssicherheit, Auditierte Fahrtrainings (z.B. bei Test & Training tcs AG, an 5 Standorten in der Schweiz) bis 30. Juni 2012 mit eine Beteiligung von CHF 200 unterstützt. Das sollte der Motorradfahrer nützen um den "Winterschlaf" von sich und seiner Maschine abzuschütteln.

Freundliche Grüsse

Diego Tomasini
Direktor
Test & Training tcs AG

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