Motorradtouren
Wunderwelt Wallis
Die heutige Tour führt uns mitten in die Wunderwelt des Unterwallis. Zu den Höhepunkten gehören das Felssturzgebiet auf der Alp Derborence und die Erdpyramiden von Euseigne im Val d’Hérens.
03.08.2012 Gerhard Enggist
Im freiburgischen Bulle verlassen wir die Autobahn und steuern Richtung Greyerz. Im dem Château St. Germain hat sich der Schweizer Surrealist und Oscar-Preisträger („Alien“, „Poltergeist“) 1998 ein Museum erschaffen. Dieses lassen wir heute rechts liegen und fahren Richtung Château d’Oex und Col des Mosses.
Von Les Diablerets geht’s über eine nach wie vor sehr ruppige Piste hinauf zum Col de la Croix (1778 m). Der Weg hinunter nach Bex ist besser geteert und bietet uns einen wunderschönen Übergang von den Bergwiesen zu den Rebbergen. Und führt uns zur Saline von Bex, wo der Kanton Waadt über ein eigenes Steinsalzlager verfügt. Die Salzmine fördert jährlich ein Volumen von 10'000 Tonnen.
Rast beim Schloss Tourbillon

Jahrmarkt in Vissoie mitten im Val d’Anniviers.
Rund ums „Knie von Martigny“ fahren wir ein kleines Stück auf der Autobahn – und erfahren dabei, warum gerade hier riesige Windräder aufgestellt worden sind… Ruhiger wird’s aber bald, und nach kurzer Fahrt durch die wunderschönen Rebberge bei Saillon kommt schon Schloss Tourbillon in Sicht, das Wahrzeichen von Sitten/Sion. Hier machen wir für heute Halt.
Am folgenden Tag – es ist Freitag – erkennen wir die Gassen der Sittener Altstadt nicht wieder: Es ist Wochenmarkt im Unterwallis. Verkauft wird, was das Herz begehrt, und vor allem auch der Magen. Feiner Gomser Bergkäse, dunkles Walliser Roggenbrot oder getrocknetes Rindfleisch aus dem Val d’Anniviers – sie alle finden sich freitags in Sion und sind Mitbringsel der ganz leckeren Art für die Zuhausegebliebenen!
Felssturz vor bald 300 Jahren

Eine Welt aus Holz und Stein: Das Zentrum von Grimentz verspricht Tradition pur.
Wir schwingen uns nun wieder aufs Radl und erklimmen auf der rechten Talseite nicht weit unterhalb von Sion den Weg hinauf in Richtung Derborence. Abrupt wechselt die Vegetation beim Einbiegen ins Tal: Die Rebberge lassen wir hinter uns, durchstreifen den Wald – und schon bald liegt vor uns der Abgrund: Sehr vorsichtig fahren heisst hier die Devise. Dies besonders auch, weil bald mehrere kurze Tunnel folgen, die von waghalsigen Strasseningenieuren in den Fels gehauen worden sind.
Die Landschaft ist faszinierend – und unberechenbar. An mehreren Stellen müssen jeweils nach starken Regenfällen Tonnen von Geschiebe von der Strasse entfernt werden. Auf dem Weg hinauf zur Alp Derborence kreuzen wir ein Postauto – eine „stiff upper lip“ ist angesagt, doch der Platz reicht…
Das Derborence-Drama
Am 23. September 1714 donnerte unterhalb des Diableretsgletschers ein Teil der Felswand zu Tal. Die Bruchstelle ist heute noch gut zu erkennen. Laut dem Pfarrer, der zwei Tage nach dem Felssturz hergekommen war, um den Teufel auszutreiben, wurden 55 Alphütten verschüttet und 14 Älpler getötet. Nur fünf Menschen überlebten.
1749 folgte ein zweiter Felssturz, dabei entstand der See. Darin kann heute baden, wer sehr kaltes Wasser mag. Und in der nahen Bergbeiz kann man sich danach bei einem Raclette aufwärmen und C.F. Ramuz lesen – der Schriftsteller hat das Derborence-Drama von 1714 verarbeitet.
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Pyramiden – und das in der Schweiz

Kurven fast ohne Ende: Der Aufstieg ins Val d’Anniviers ist ein Eldorado für Spitzkehren-Freaks.
Uns aber steht der Sinn nun nach etwas mehr Weite. Im gegenüberliegenden Val d’Hérens finden wir sie. Und nicht nur das: Die Pyramiden von Euseigne versetzen uns in Staunen: Wie die hellen Pfeiler die dunklen Steine stützen und wie diese sie wiederum vor der Witterung schützen… Nur die Natur verfügt über so viel Einfallsreichtum.
Staunen werden wir später auch im Val d’Anniviers, wo wir in Vissoie wiederum auf einen Markt treffen, den jährlich stattfindenden Handwerkermärit. Von Vissoie aus steuern wir das atemberaubend schöne, bestens erhaltene Zentrum des Örtchens Grimentz an – eine Hymne aus Stein und Holz, verziert mit leuchtenden Geranien unter stahlblauem Himmel: Ein Fotoidyll der Sonderklasse.
In Zinal lassen wir unsere Wallis-Tour ausklingen. Zuhinderst im Val d’Anniviers schauen wir bei einem Glas Johannisberg den Eringer Kühen zu, wie sie im strahlenden Sonnenschein von einer Weide zur anderen wandern. Müdemachen wir die Augen zu und denken nur noch: Wie schön kann das Leben doch sein...
| Die Tour: | |
|---|
| Distanz: | ca. 300 km |
| Fahrzeit: | 2-3 Tage |
| Sehenswert: | Greyerz (mit Museum HR Giger im Schloss); Weinberge bei Saillon, Sion mit Château de Tourbillon, verschüttete Alp Derborence, erodierte Steinpyramiden im Val d’Hérens, Grimentz im Val d’Anniviers. |
| Beste Jahreszeit: | Frühling bis Spätherbst |
| Karte: | Strassenkarte der Schweiz 1:200 000 von swiss-topo, Ausgabe 2010 – 2011 |
Detaillierte Route auf Google Maps:
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