Test - Vectrix VX-1/VX-3
Elektroschock
Wir sind schockiert: Drei Räder, zwei Hupen und ein Gasgriff, der sich in beide Richtungen drehen lässt? Wenn das mit rechten Dingen zugeht...
25.07.2012 Simon Haltiner
„Unser Ziel ist die Verbreitung nachhaltiger, emissionsfreier Mobilität ohne Einschränkungen in Design, Leistung, Komfort oder Qualität", lautet die selbstbewusste Botschaft auf der Vectrix-Website. Mindestens im ersten Punkt haben die Amerikaner offenbar ihr Ziel erreicht.
Der VX-1 und sein dreirädriger Bruder VX-3 sind grossgewachsen, elegant und überzeugend verarbeitet. Damit distanzieren sie sich vom Prototypenhaften, das noch manchen E-Vehikeln anhaftet.
Teure Anschaffung - günstiger Unterhalt

Der VX-1 demonstriert, dass E-Mobile durchaus optisch attraktiv sein können.
Der VX-1 ist in zwei unterschiedlichen Varianten erhältlich, die sich hauptsächlich im verbauten Akku unterscheiden. Der kleinere VX-1 verspricht eine Reichweite von 70 km, wiegt dafür 14 kg weniger und beschleunigt etwas schneller. Vor allem aber ist er 2‘000 Franken günstiger als der VX-1 Li+ mit seinen schockierenden 14‘950 Franken, aber 120 km Reichweite.
"Das ist nicht billig im Vergleich zu Benzin-Rollern. Dafür entfallen Steuern, Wartungs- und Treibstoffkosten. Unsere Kunden wünschen ein ausgereiftes Produkt, das Versprechungen erfüllt. Dafür sind sie gewillt, mehr zu investieren", erklärt Importeur Dieter Hofer.
Willkommen an Bord
Wir nehmen Platz auf dem breiten und kuscheligen Polster. Beim Rangieren fällt das Gewicht auf, das jedoch dank des tiefen Schwerpunkts kein kippliges Verhalten verursacht. Nach dem Drehen des Schlüssels erscheinen Daten auf den beidseitig neben dem zentralen Analogtacho angeordneten, futuristisch blau hinterleuchteten LCD-Screens. Auf dem rechten symbolisieren Balken den Ladestand; links ist die geschätzte Reichweite abzulesen.

LED-Technik: eine Selbstverständlichkeit für ein Objekt der Zukunft.
Abwechselndes Betätigen der Bremshebel macht die Vectrix „scharf“, und ein motivierendes "GO" erscheint auf dem Display. Wir drehen den Griff, und begleitet vom dezenten Summen eines Trolleybusses nehmen wir Fahrt auf. Obschon der bürstenlose Gleichstrommotor satte 65 NM Drehmoment abdrückt (Honda Hornet: 64 NM), ist davon zunächst nicht viel zu spüren. "Die Elektronik dosiert den Strom erst behutsam, damit die Akkus nicht überlastet werden", erklärt Hofer.
Ist man einmal unterwegs, beschleunigt der VX-1 dann willig und ähnlich wie andere Grossroller, wenn auch konzeptbedingt akustisch schockierend unspektakulär. Der VX-1 fühlt sich auch bei höheren Tempi (Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h) ruhig an. Übrigens: Der VX-1 fällt unter die
Ausweiskategorie A1 und darf ab 16 Jahren gefahren werden.
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Clevere Details
Innovativ sind Details wie die Erinnerungsfunktion des Blinkers, die einen nach einer gewissen Zeit mit Hupzeichen auf das Versäumnis hinweist. Apropos Technik: Obschon die Zellen binnen vier bis sechs Stunden gefüllt sind, lässt sich die Reichweite durch schonendes Fahren verlängern - und durch rekuperatives Bremsen: Dabei fungiert der Motor als Generator, der Bewegungsenergie in Strom umwandelt.
Dies geschieht, indem man den Gasgriff einfach nach vorne dreht. Reicht dies nicht, wird mit herkömmlichen Brembo-Scheibenbremsen nachgeholfen. Praktisch: Im Stand aktiviert das Zurückdrehen den Rückwärtsgang.
Drei Räder für mehr Grip

Ulkig, aber effizient: Das Doppelrad des VX-3 minimiert das Sturzrisiko auch ohne ABS.
Der VX-3 zeichnet sich im Wesentlichen durch das unorthodoxe Vorderradarrangement aus: Zwei Räder werden von einer Schwinge geschoben und sind kippbar gelagert. Abgesehen von der sehr eigenen Ästhetik und dem nur marginal diffuseren Gefühl für die Front bringt dies haufenweise Vorteile mit sich: Rutscher werden auch ohne ABS unwahrscheinlich - und wenn sie doch auftreten, dann sind sie unbedenklich.
Unterhalb von 4 km/h kann die Achse auf Knopfdruck gesperrt werden. So kann man vor der Ampel die Füsse auf dem Trittbrett lassen. Angenehm bei schlechtem Wetter. Und um die Schräglagenfreiheit brauchen sich selbst die wenigen, hierzulande noch existierenden sportlichen Fahrer keine Gedanken zu machen.
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