Test - Aprilia SRV 850 TC

Aprilia SRV 850 TC
 
 

 

 


Was bin ich?
Ein Motorrad mit Automatik und kleinen Rädern? Ein Scooter mit einem Töffmotor? Aprilia demonstriert mit dem SRV 850 TC erneut den Hang zum Exzessiven.
07.08.2012 Simon Haltiner

Quizfrage: Wie konstruiert man ein optimales Fahrwerk? Die einfachste Antwort auf diese Frage: Man nehme einen Roller und baue genau das Gegenteil davon. Warum? Die klassische Roller-Bauform ist nicht auf Dynamik ausgerichtet: unvorteilhafte Gewichtsverteilung, kleine Räder und eine steile Lenkachse.

Neben dem erbärmlichen Handling und dem Lebensgefühl von Espresso und Amore verbucht der Roller aber entscheidende Pluspunkte für sich: integrierte Staufächer, niedrige Betriebskosten, Wetterschutz und eine natürliche Sitzhaltung, die selbst für Rockträgerinnen praktikabel ist.

Roller Plus
Aprilia SRV 850 TC
Praktisch? Nein. Aber schnell!
Dass neben dem Nutzwert aber auch das Prestige und die Performance eine Rolle spielen können, demonstriert die boomende Kategorie der Maxi-Scooter - die Klitschkos unter den Rollern sozusagen. In diesem Segment wildert neu auch der SRV 850 TC von Aprilia. Und zielt mit RSV4-Front, schnittigem Plastik und bunten Aufklebern auf dynamische Naturelle.

Natürlich haben die Italiener ihre rennsport-erprobte Kompetenz nicht nur optisch einfliessen lassen. Schnickschnack? Keineswegs, wenn 76 NM Drehmoment und 76 PS etwa auf nasses Kopfsteinpflaster treffen. Und diese sind für 196 km/h gut, sagt Aprilia. Das ist, offen gesagt, ziemlich krank bei einem Roller. Dazu kommt der happige Preis von 13'495 Franken.

Premium-Aroma
Aprilia SRV 850 TC
Geschwungene Griffe umrahmen die üppige Polstergruppe mit verstellbarer Rückenstütze.
Immerhin: Das Cockpit ist hochwertig. In Alufarben eingefasste Runduhren zeigen Tempo und Drehzahlen, und ein LCD-Display informiert über Kilometerstand und Temperatur. Von der rot vernähten Sitzbank bis zum einlackierten Lenker-Emblem wirkt alles nobel. Man orientiert sich offensichtlich an automobilen Standards. Speckiges Plastik und klaffende Fugen sucht man vergeblich.

Respekteinflössend bollert der Maxi-Roller aus dem Doppeltopf, was ihn schon akustisch vom Geknatter des Pöbels abhebt. Der erhabene Eindruck setzt sich auch unterwegs fort: Die Ergonomie ist ausgezeichnet. Die verstellbare Lendenstütze und zusätzliche Fussmulden im Beinschild lassen eine Easy-Rider-Sitzhaltung zu.

Entspannte Fahrt abseits des Limits
Unter Last braucht der SRV wie jeder Roller aufgrund der CVT-Automatik einen Augenblick, bis sein Motor in Schwung kommt. Er schiebt dann aber entschlossen voran. Von null auf 100 km/h in 5,7 Sekunden, wenn es sein muss. Selbst auf der Autobahn liegen je nach Gasstellung relaxte 3000 bis 5000 U/min an; erst bei 8500 U/min ist Feierabend. Entsprechend wirkt der SRV selten hektisch.

Das gilt auch für sein Fahrverhalten: Auf der Skala von agil bis stabil liegt er klar auf der stabilen Seite. Auch wer es krachen lassen will, kommt auf seine Kosten. So wird dieser Roller eine Alternative auch für den, der gerne ein Motorrad hätte, aber dessen Partner keine „Todesmaschine“ im Haus zulässt.

Die Maxi-Scooter der Konkurrenz::
» Yamaha TMax - Evolution der Revolution
» BMW C 650 GT - Zweiter Versuch
» Vectrix VX-1/VX-3 - Elektroschock

Die Leistung hat ihren Preis
Aprilia SRV 850 TC
Formschöne Aluschwinge mit Exzenter-Spanner. Kette schmieren nicht vergessen!
Wie Sie wohl bereits vermuten, ist das alles nicht ohne Aderlass zu bewerkstelligen: Aprilia beziffert das Leergewicht mit 249 kg, woraus mit 18,5 L Benzin, einer Batterie und etwas Öl schnell 270 kg werden. Und das fühlt man beim Rangieren. Dann sitzt der Motor dort, wo die Einkäufe eigentlich hinsollten, und der roller-typische Durchstieg ist fast nicht mehr vorhanden.

Vor allem das Kettenschmieren will nicht so recht zum praktischen Wesen eines Rollers passen und die Anschaffungs- und Betriebskosten (wir haben über 6 Liter auf 100 km verbrannt) erst recht nicht. Zudem lauert in diesem Segment harte Konkurrenz: Der Yamaha TMax, die BMW C 650 und der Honda Integra. Das schreit nach einem Vergleich!

» Aprilia SRV 850 TC auf MotoScout24


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