Motorradtouren

Kurven bis genug: Die Langhe sind ein Motorradparadies.
 
 

 

 


Risotto mit Meeresfrüchten
Ein sonniges Frühlingswochenende nutzten wir für einen Ritt durch die Reisfelder der Po-Ebene, über die Hügel des Piemonts hinunter an die ligurische Küste.
20.06.2012 Gerhard Enggist



Diesmal klappts auch mit dem Wetter: Pfingsten soll mehr oder weniger schön werden. Also satteln wir bereits am Freitagabend das Pferd, schlängeln uns durch den Lötschberg und huschen im orangebleichen Abendlicht noch schnell über die fast leere Simplonstrasse nach Domodossola, wo wir das Nachtlager aufschlagen.

Am kommenden Morgen geht die Fahrt weiter an den Lago d’Orta. Wer noch nie da war, sollte für einen Besuch im gleichnamigen, äusserst pittoresken Ort genügend Zeit einplanen. Und auch etwas Kleingeld – man lebt dort von den Touristen...

In den Wäldern zwischen Borgomanero und Gattinara ein Monumentalwerk: Das Santuario di Boca. Der Bau des neoklassizistischen Heiligtums in der Diözese Novara begann im 17. Jahrhundert und wurde erst 1970 fertiggestellt. Die Kirche wirkt inmitten der Natur etwas unwirklich, ja fast ein wenig furchteinflössend.

Die Wiege des Risotto
Liebliche Hügel: Das Piemont betört mit seiner Schönheit.
Liebliche Hügel: Das Piemont betört mit seiner Schönheit.
Richtung Vercelli wird das Gelände bald sehr flach. Wir befinden uns nun in der Po-Ebene, der Reiskammer Norditaliens. Beidseits der Strasse Reisfelder: Die einen sind erst gerade frisch bewässert worden. Bei den anderen recken sich erste Halme zartgrün aus dem Wasser, und wieder andere stehen schon in sattem Grün, veredelt durch das kräftige Rot von Mohnblumen.

Kein Zweifel: Wir sind im Süden angekommen. Bald schon liegt das Städtchen Arborio vor uns. Darum herum befindet sich das Hauptanbaugebiet des gleichnamigen, weltberühmten Risotto-Reiskorns. Und was sehen wir vor der Kirche von Arborio? Eine Hochzeit, klar. Schliesslich ist heute Pfingstsamstag.

Kurz nach Vercelli machen wir Halt im Städtchen Trino. Die Marktfahrer sind daran, ihre Waren wegzupacken. Einer verkauft uns gleichwohl noch eine halbe Wassermelone – Durst und Hunger sind danach restlos gestillt.

Reben und Haselsträucher
Entspannung pur: Alba bietet allen etwas.
Entspannung pur: Alba bietet allen etwas.
Bei Moncalvo wechselt das Landschaftsbild: Wir erreichen die piemontesischen Hügel, und bald schon die Langhe mit den Schlemmerstädten Asti und Alba. Doch heute steht uns der Sinn nicht nach Schaumwein oder Trüffeln.

Ein Spaziergang durch das lauschige Alba, dann satteln wir erneut die Pferde und reiten weiter über die Hügel. Hier werden nicht nur Spitzenweine angebaut; von hier stammen auch die Haselnüsse, die unsere Kinder mit dem Nutella verzehren.

Kurven à gogo – Piloten teils gaga
Durch wundervolle Mohnfelder und mit Sicht auf ungezählte Burgen gondeln wir weiter Richtung Süden. Die Strassen sind meist gut ausgebaut und bieten Kurven à gogo. Diese verleiten die meist jungen bis sehr jungen italienischen Motorradfahrer leider auch dazu, an ihr Limit zu gehen. Und manchmal auch darüber hinaus.

Denn schon bald bedeuten uns entgegen kommende Kollegen, dass wir langsam fahren sollen. Am Strassenrand stehen ein paar farbige Flitzer – einer liegt am Abhang und sieht arg mitgenommen aus. Ebenso der Unglückspilot, der aber immerhin bei Bewusstsein ist und sich beim Rutsch unter der Leitplanke hindurch hoffentlich keine allzu schweren Verletzungen zugezogen hat. Während wir langsam weiterfahren, hören wir bereits die heranrauschende Ambulanz.

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Zweimal Riviera
Zwischen Cortemilia und Piana Crixa geniessen wir nochmals die Fahrt durch Felder und Wälder. Dann plötzlich Ginster am Strassenrand – ein untrügliches Zeichen, dass wir uns der Küste nähern. In Varazze an der Riviera di Ponente lassen wir den Tag bei Fisch und Meeresfrüchten ausklingen.

Der Lungomare und das Castello von Rapallo.
Der Lungomare und das Castello von Rapallo.
Tags darauf fliegen wir der Küste entlang Richtung Genua und erreichen die Riviera di Levante. Von Recco ziehts uns über den Monte Portofino hinunter nach Rapallo, wo eben ein Töfftreffen zu Ende geht. Wir gönnen uns einen ausgedehnten Spaziergang durch das herrliche Städtchen, schlendern durch den sonntäglichen Antiquitätenmarkt und den noch nicht übervollen Lungomare entlang zum Castello.

Und dann steht leider schon bald die Heimreise an. Über Busalla erreichen wir Serravalle und nehmen von dort den schnellen Weg nach Hause unter die Räder. Ein kleiner Ausflug dem Lago Maggiore entlang darfs schon noch sein, dann ab über den Sempione – und als Dessert nehmen wir auf halbem Weg hinunter nach Brig die alte Simplonstrasse unter die Räder.

Die Tour:
Distanz:ca. 900 km
Fahrzeit:3 Tage
Sehenswert:Lago d’Orta mit Orts selber, Reisfelder in der Po-Ebene, Schlemmerstädtchen Asti und Alba, Hügel des Piemont und die ligurische Küste.
Beste Jahreszeit:Frühling bis Spätherbst
Karte:Strassenkarte Valle d’Aosta, Piemont, Lombardei, Ligurien ; 1:400‘000 (Michelin)


Detaillierte Route auf Google Maps:


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