Test - BMW C 650 GT

BMW C 650 GT
 
 

 

 


Zweiter Versuch
Zehn Jahre nach der "Bruchlandung" mit dem 125er-Käfigroller C1 wagt BMW einen neuen Startversuch - im Segment der Maxi-Scooter.
11.06.2012 Hanspeter Küffer

Um von allem Anfang an die gesamte Bandbreite des Segments wachsenden, lässt BMW gleich zwei neue Maxi-Scooter anrollen. Der C 600 Sport kommt der Bezeichnung entsprechend als schicker City-Flirt, der hier vorgestellte C 650 GT als bequemer Allrounder.

Und es ist wirklich kaum zu glauben, dass Fahrwerk und Motor der beiden Modelle identisch sind, denn mindestens ebenso unterschiedlich wie das Design ist auch die Fahrdynamik. Der GT sieht vielleicht etwas konservativer aus als der Sport, er hinterlässt jedoch klar den ausgewogeneren und souveräneren Eindruck. Langsamer ist er nicht und auch nicht weniger wendig. Und er entspricht voll und ganz dem Premium-Image der weissblauen Marke.

Entspannter Gleiter
BMW C 650 GT
Praktisches Detail: das Helmfach unter dem Sitz.
Die niedrige Sattelkuhle mit kurzer Rückenstütze und der relativ hoch montierte Lenker bringen den GT-Fahrer in eine bequeme und entspannte Sitzposition. In dieser relaxten Haltung mit weit nach vorne gestreckten Beinen lässt es sich selbst bei flottem Tempo - 180 km/h sind möglich - ausgesprochen entspannt durch die Landschaft cruisen. Schnelle Bögen, Spurrinnen auf der Autobahn - das Fahrwerk ist stabil und vermittelt trotz kleinen 15-Zoll-Rädern ein gutes und sicheres Gefühl.

Der 647-ccm-Reihen-Twin mit um 70 Grad nach vorn geneigter Zylinderbank und die dahinter angeflanschte Variomatik-Übersetzung sind komplette Neuentwicklungen. Die extrem flache Bauweise des Antriebs ermöglicht den für Roller typischen Durchstieg. Sie lässt zudem genügend Raum für ein grosses Staufach unter der Sitzbank, das zwei Integralhelme aufnehmen kann.

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Minuspunkte im Detail
BMW C 650 GT
Nicht ganz gelungen ist das Digitaldisplay: die Lesbarkeit ist mangelhaft.
Trotz 60 PS und guten 66 NM Drehmoment wirkt der GT nicht übermässig motorisiert. Kein Wunder bei einem fahrbereiten Gewicht von 261 kg, die jedoch beim Fahren kaum negativ auffallen. Rollertypisch setzt der Schub beim Beschleunigen leicht verzögert ein, danach jedoch vehement und mit zunehmendem Druck. Wird das Gas geschlossen, löst die Kupplung den Kraftschluss relativ früh, das Fahrzeug rollt im Leerlauf, und das ist insbesondere beim Bergabfahren im Schritttempo unangenehm.

Optimierungspotenzial gibt es zudem beim kaum ablesbaren Tourenzähler sowie bei der fummeligen Abdeckung des Tankeinfüllstutzens. Es sind jedoch die zahlreichen positiven, teils sogar genialen Lösungen, welche den insgesamt positiven Gesamteindruck des ersten Maxi-Scooters von BMW abrunden: zum Beispiel der Seitenständer, der beim Ausklappen gleichzeitig die Parkbremse aktiviert, die per Knopfdruck am Lenker höhenverstellbare Windschutzscheibe, die gut dosierbaren und wirkungsvollen Bremsen mit ABS sowie der exzellente Wetterschutz.

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